Wie Romane entstehen

Wie Romane entstehen

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Roman-Poetiken von Schriftstellern gibt es viele, noch nie aber wurde bisher einmal en detail beschrieben, wie Romane in den Roman-Werkstätten der Schriftsteller entstehen. Die beiden Autoren des Bandes, ein Romancier vieler bedeutender und hoch angesehener Romane und sein langjähriger Lektor, analysieren anhand zahlreicher Beispiele solche Entstehungsprozesse, indem sie die einzelnen Arbeitsphasen der »langen Arbeit am Roman« präzise unterscheiden und immer wieder genau nachfragen, was in diesen Arbeitsphasen geschieht und wie sie sich aufeinander beziehen. Von den ersten Notizen und poetischen Eingebungen bis hin zum fertigen Manuskript erläutern sie Schritt für Schritt, welche Arbeiten (an Figuren, Schauplätzen und der Entwicklung von Szenen, Dramaturgien und Handlung) Autoren bewältigen müssen, damit aus zunächst noch sehr vage sich abzeichneneden Roman-Phantasien am Ende auch wirklich ein Roman (und vielleicht nicht nur einer, sondern nach diesem einen noch ein weiterer und noch einer ...) entstehen.

Pressestimmen

»Ortheil, [...] ein kluger Schreibreflektierer [...].«
Frankurter Allgemeine SonntagsZeitung

Leserstimmen

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(Durchschnittliche Bewertung / 1 Kundenrezensionen)
Norbert Schreiber, 05. April 2015
Der Ton macht den Roman
In diesem Buch melden sich Autor und Lektor gemeinsam zu Wort. Sie beschreiben den Entstehungsprozess von Romanen vom Einfall-Entwurf-den Notaten-Figuren-Räume-Szenen bis hin zur Geheimniskrämerei oder den Offenbarungen der Autoren dem Lektor, dem Verlag und der Öffentlichkeit gegenüber. Das Material basiert auf Vorlesungen und Seminaren der beiden Autoren an den Universitäten Bamberg und Zürich.
Gestaltung: Der erste Teil ist die gewählte schriftliche Form einer Vorlesungsreihe und im zweiten Teil die konkrete Darstellung der Lektoratsarbeit. Nach den Vorbemerkungen folgen die vier Vorlesungen von Hanns-Josef Ortheil – Wie Romane entstehen zu den Themen Notizen und Skizzen, Figuren, Räume, Texte, Spurensuche und konkrete Entstehungsgeschichten. Im Lektoratsteil beschäftigt sich Klaus Siblewski mit poetischen Visionen, dem Recherchieren, Konzipieren, Schreiben, Gliedern, Entwerfen, erst ganz am Schluss mit dem Redigieren von Texten.
Romane sind vital, dynamisch, entgrenzen die Welt. So sheen es die beiden Autoren. In der Roman-Werkstatt liegen Notizen und Skizzen, Fragmente, Tagebücher, Pläne der Autoren und wenn es ans Schreiben geht, müssen sie knapp, präzise, anschaulich eine „genaue Wahrnehmung der Welt“ anstreben , die Fülle der Welt sozusagen enzyklopädisch in sich aufnehmen und die Menschen in Räumen wahrnehmen. Dabei handelt es sich um die subjektive Materialsammlungen des Autors. Der Autor verschreibt sich dem Roman, weder Befehle noch Verordnungen führen ihn dazu, es sind die Phantasien und Träume, die Gedanken über den Bau des Romans, bis hin zu seinem Verlauf und seinem Inventar. Es spielt eine „Weltfolie“ eine Rolle, vor der sich der Schriftsteller die Welt aneignet, oder anders formuliert, er geht den großen Themen der Existenz auf den Grund.(Milan Kundera) Der Autor phantasiert über Figur/Raum/Szenen/Text.
Der Autor richtet den Blick dann auf ein mögliches Ganzes oder konzentriert sich auf Besonderes. Der Autor befindet sich in einem Prozess der „Einverleibung des Romanstoffes, am Ende ist der Autor Teil des Romans, er lebt in seiner Romanwelt, die Traumphantasien gerinnen zu Geschichten. Oder wie Kafka es ausdrückt: „Ich bin auf der Jagd nach Konstruktionen.“ Das Innere des Autors muss allerdings einen Widerhall aussenden, wenn er auf Material stößt. Soweit der Teil des Buches von Ortheil.
Im zweiten Teil bietet uns der Lektor eine differenzierte Charakterstudie über verschiedene Autorentypen, vom Debütanten, über den Verlagsprofi bis zum „Spätankündiger“, der erst kurz vor Abschluss des Romans sich an einen Verlag wendet. Klaus Siblewski macht uns als Lektor klar, wie Autoren Ordnung schaffen müssen, erzählbare Ordnungen aus der Fülle des Materials an Notizen, Figuren, Szenen, Handlungssträngen, damit “...Sätze in ihrer Abfolge in einen erzählerisch nachvollziehbaren Verlauf kommen.“
Der Autor entwirft, plant, gliedert, ist mit dem Lektor in ständigem Austausch darüber – im Idealfall – denn die Organisation des Materials gehört zum Schreiben dazu. Im Lektoratsteil des Buches differenziert der Autor heraus, welche Determinanten dem „Roman die Richtung geben“: die Figuren, die Räume, die Szenen, die Fiktionen oder die Suche des Autors nach dem Roman oder die Suche nach dem Stoff. Wobei der ideale Roman es schafft, seine literarische Möglichkeit optimal auf bestmögliche Art auszuschöpfen. Wir lernen viel über das Rollenverständnis des Lektors, über die Stoffauseinandersetzung, das Organisieren des Stoffes und Redigieren des Textes. , denn der Lektor wird zum „Anwalt“ des Romans. Sympathie und Argwohn zugleich und inklusive. Zwei Kernsätze kulminieren am Schluss des Buches, deshalb seien sie hier wörtlich zitiert:
„Der Ton ist das Kostbarste, Auffälligste, aber am Schwierigsten zu erzeugende Element beim Schreiben.“ Und “Kein Roman kommt an d e m Ende an, sondern nur an einem.“ Oder man kann es auch so formulieren: Nach dem Roman ist vor dem Roman. Ein interessantes, lesenswertes Insiderbuch aus der Schriftsteller-Welt

Norbert Schreiber www.facesofbooks.de

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